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Agrippastraße in Kall

Bergauf, bergab und mehrfach verschlungen: Zwischen Kall-Keldenich und Marmagen teilte sich die bis dahin so schnurgerade Agrippastraße in zwei Stränge auf. Sie trennten sich auf der Nordseite des tief eingeschnittenen Urfttales und führten auf verschiedenen Wegen zum Fluss hinab. Die östliche Variante bog nach der Gabelung fast rechtwinklig ab und führte schräg am Hang hinab, mit einem Gefälle von mehr als 20 Prozent. Um diese Strecke überhaupt zu ermöglichen, musste der Fels fast fünf Meter tief eingeschnitten werden – eine schwere und langwierige Arbeit.

Die westliche Trasse, die hier vorbeiführt, steuerte nach der Gabelung mehr oder weniger gerade ins Tal. Dabei folgte sie dem schmalen Grat des Geländesporns, der sich an der markanten Schleife der Urft erhebt. Diese Strecke war mit einem Gefälle von nur 13 Prozent deutlich flacher. Nachdem beide Trassen die Urft im Tal überquert hatten – vermutlich über eine Furt – vereinigten sie sich wieder. Die Agrippastraße stieg von dort aus den Südhang hinauf und zog auf der Hochfläche in Richtung Marmagen.

Merkwürdig an dieser Streckenführung ist, dass sich die beiden Trassen kurz nach ihrer Gabelung wieder kreuzten („Spaghettiknoten“). Möglicherweise wurden die Strecken nacheinander angelegt. Auf älteren Karten ist nur die Trasse im Osten eingezeichnet. Es könnte aber auch sein, dass die flachere Variante nur für die schwierigere Talfahrt genutzt wurde. Diese war anspruchsvoller, weil dabei ein Fuhrwerk trotz blockierter Räder ins Rutschen kommen und auf die Zugtiere auffahren konnte. Bei der Bergfahrt dagegen konnte man zusätzliche Tiere (Spanndienst) vorspannen und somit steilere Trassen bewältigen.