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Via Belgica
Michelsberger Erdwerk

Ein echter Zufallsfund: In den späten 1960er Jahren entdeckte ein Pilot das Erdwerk von Jülich-Stetternich auf einem Flug. Er sah in der Ackerfläche zwei mächtige, parallel verlaufende dunkle Streifen, die sich über eine Länge von mehreren hundert Metern erstreckten und an einigen Stellen unterbrochen waren. Durch gezieltes Überfliegen, systematische Feldbegehungen und geophysikalische Messungen erforschten Experten das Relikt aus der Jungsteinzeit.

Lange vor einem systematischen Straßenbau entwickelte sich ein am Naturraum orientiertes Wegenetz, das z. T. beim römischen Straßenbau aufgegriffen wurde. Im Raum Jülich existiert eine auffällige Konzentration von drei Erdwerken der Michelsberger Kultur, die in Abständen von fünf Kilometern entlang der späteren Via Belgica liegen. Die mit etwa einem Kilometer Durchmesser größte und jüngste dieser Anlagen (um 3500–3000 v. Chr.) liegt am Streckenabschnitt zwischen Stetternich und Jülich.

Ein Erdwerk ist ein durch Gräben – häufig auch durch Wall und Palisaden – eingefasster Platz. Bei den Unterbrechungen der Gräben handelt es sich um Erdbrücken, also Tordurchlässe, durch die man ins Innere der Anlage gelangen konnte. Die Gräben waren bis zu zehn Meter breit, der Abstand zwischen ihnen betrug etwa 15 Meter. Insgesamt war das ovale Areal – das Gräben und Innenbereich umfasst – rund 36 Hektar groß.

Bisher ist allerdings die Funktion der Michelsberger Erdwerke unbekannt. Vermutet wird, dass sie für die umliegenden Siedlungen als Marktplatz und Versammlungsort, Fluchtburg oder Viehweide dienten. Beim Bau der Via Belgica in der Römerzeit war vom Stetternicher Erdwerk nichts mehr zu sehen. Bis zu jenem bedeutungsvollen Flug in den 1960er Jahren …