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Via Belgica
Thorr / Tiberiacum

Antike Fundamente, ein Brunnen, Abfallgruben – viele Funde seit Mitte des 19. Jahrhunderts weisen darauf hin, dass sich hier in der heutigen Ortschaft Thorr eine römische Straßensiedlung (vicus) befand. Aus den dicht beieinanderliegenden Überresten der Siedlung lässt sich ablesen, dass sie sich mindestens 250 Meter beiderseits der Straße erstreckt haben dürfte. Vermutlich begann der Siedlungsbereich etwa 280 Meter westlich der Erftniederung.

Es deutet noch mehr darauf hin, dass hier einst die Römer siedelten: Am westlichen Ortsrand kreuzt die Via Belgica eine Straße, die von Zülpich nach Neuss führt. Um diese Kreuzung gruppieren sich mehrere Grabbezirke. 188 Brandgräber aus dem 1. und 2. Jahrhundert n. Chr. wurden 1995 südlich der Römerstraße ausgegraben.

Grabsteine, die als Baumaterial für die alte Kirche in Thorr gedient hatten und bei deren Abbruch Anfang des 20. Jahrhunderts zum Vorschein kamen, stammen möglicherweise aus diesem Grabbezirk. Außerdem waren Reste eines römischen Merkuraltars und vieler Matronendenkmäler in der Kirche verbaut – es könnte sich also ein Heiligtum in der Nähe befunden haben.

Jenseits der Erft in Richtung Köln fanden sich beim Bau der Kläranlage in Kenten 1975 außerdem der Abzweig einer Nebenstraße zur Via Belgica und eine römische Straßenstation. Ob es sich bei der römischen Siedlung in Bergheim-Thorr um das in antiken Quellen genannte Tiberiacum handelt, kann nach heutigem Forschungsstand nicht beantwortet werden. Der Ortsname Thorr könnte auch auf einen römischen Wachposten (ad turrem) zurückzuführen sein, der an dieser Stelle – zur Überwachung des Erftübergangs – sicher eine strategische Bedeutung gehabt hätte.