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Agrippastraße  Pfarrkirche St. Kunibert

Zeitreise durch die Architekturgeschichte: Mittelschiff und Turm der Pfarrkirche St. Kunibert bestehen teilweise aus Mauern eines römischen Gebäudes, vermutlich eines zweigeschossigen Landhauses (villa rustica). Neben Mauerzügen und Estrichen fanden sich bei Sanierungsarbeiten auch Reste eines Bads mit Hypokaustenheizung, einer Art antikem Vorläufer der Fußbodenheizung. Dass die christliche Gemeinde bestehende Gebäudeteile aus der Römerzeit zu einem Gotteshaus umfunktionierte, erklärt, warum es nicht nach Osten ausgerichtet ist, wie sonst bei mittelalterlichen Kirchen üblich. Reste des römischen Mauerwerkes sind im Untergeschoss des Turmes und im Seitenschiff zu sehen.

Weitere Mauerteile sind im Chorbogen und Turm an zwei Stellen selbst in mehr als zehn Metern Höhe noch im originalen Steinverbund erhalten. Römisches Mauerwerk in dieser Höhe ist sonst allenfalls in Köln oder Trier zu finden. Spätestens ab 1031 wurde der römische Bau vermutlich als Kirche genutzt. Ausbauten der folgenden Jahrhunderte wurden wohl durch das in Sinzenich und Langendorf beheimatete Geschlecht der Herren von Gertzen gefördert.

Der Kernbau aus der Römerzeit ist durch mittelalterliche Baustile überprägt: So ist St. Kunibert grundsätzlich als spätgotische Hallenkirche des 15. Jahrhunderts angelegt. Reste des Vorgängerbaus im romanischen Stil zeigen sich zum Beispiel im fast quadratischen Chor – er stammt aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts. Der aus dem Hallendach herausragende vierstöckige Turm wurde schon im späten 11. oder frühen 12. Jahrhundert ausgebaut. Dem linken Seitenschiff ist eine Sakristei aus dem 14. Jahrhundert vorgelagert, während das an den Turm ansetzende Oratorium erst Anfang des 16. Jahrhunderts entstand. Die beiden barocken Seitenaltäre stammen aus dem 17. Jahrhundert, während der jetzige Hauptaltar erst zu Beginn der 1960er Jahre geschaffen wurde.